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WIE DER KNÖDEL DEN ZEITGEIST TRIFFT

Das Konstanzer Start-up Knödelkult haucht trockenen Backwaren neues Leben ein, indem es sie zu genussvollen Knödeln im Glas verarbeitet.

Von Julia von Muschwitz

 

Mit Abfall die Esskultur retten – das ist kurzgesagt die Mission des jungen Konstanzer Unternehmens „Knödelkult“. Statt zuzusehen, wie jährlich fast 500.000t Backwaren in den Müll wandern, haben die Genussbegeisterten einen Weg gefunden, diesem Abfall zu einem zweiten Leben zu verhelfen. Für dieses großartige Geschäftsmodell erhielt das Start-up 2017 den Bundespreis für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung. Denn der Semmelknödel repräsentiert die Kernidee der Nachhaltigkeit: die Hauptzutat ist nämlich steinharte, trockene Backware. Aus der Not heraus entstand der Leckerbissen zunächst als ärmliches Gericht und erkämpfte sich über Jahrhunderte hinweg den Weg bis hinauf auf unseren Weihnachtsteller. Heute ist der Knödel die festliche Beilage zu Gans, Rotkohl und weiteren Festtagsgerichten.

 

VON DER NOTLÖSUNG ZUM BELIEBTEN LECKERBISSEN

Einer Legende zufolge entstand der Semmelknödel im 15. Jahrhundert in Südtirol, als durchquerende Soldaten dort drohten, einen Bauernhof zu plündern. Sie forderten von den Bäuerinnen eine warme Speise. Unter den damaligen Umständen mussten diese kreativ werden und warfen alles Verfügbare zusammen: ein altes Laib Brot, einige Eier, Zwiebeln, Milch und etwas Mehl. Was daraus entstand kennen wir heute nur zu gut.

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DIE NACHHALTIGE BROT-RETTUNG

Aber nicht nur die Entwicklung des Knödels ist ein echtes Erfolgsrezept, sondern auch das Geschäftsmodell der cleveren Gründer von Knödelkult. Janine Trappe und Felix Pfeffer entwickelten 2016 ein Verfahren, um Semmelknödel im Glas aus gerettetem Brot herzustellen. Gerettetes Brot – so nennen die beiden das Brot, das Bäckereien nicht verkaufen konnten und nun für die Knödelherstellung zum Einsatz kommt. Ziel der Beiden ist es, wie sie auf ihrer Webseite schreiben, den Bäckereien die bestmögliche Alternative zum Wegwerfen zu bieten, sowohl finanziell als auch moralisch. Nicht nur dieser Ansatz ist löblich: das Unternehmen arbeitet mit regionalen Backstuben zusammen beispielsweise mit der Reichenauer Inselbäckerei Peter. So lassen sich kurze Lieferketten gewährleisten und geringe Umweltbelastungen sicherstellen. Darauf achtet das Start-up auch bei der Lieferung und versendet alle Bestellungen plastikfrei in Kartons aus Recycling-Papier und klimaneutral mit DHL-GoGreen.

 

EIN ORT, AN DEM IDEEN WACHSEN

Die klugen Köpfe hinter Knödelkult kommen, anders als erwartet, nicht aus der Lebensmittelbranche. Die – ursprünglich drei – Gründer: die Juristin Janine Trappe, der Architekt Felix Pfeffer und der Maschinenbauer Matthias Helmke lernten sich beim Stammtisch der Innovationswerkstatt Konstanz kennen. Die Innovationswerkstatt Konstanz wurde aus privater Initiative geboren und vereint als Makerspace alle leidenschaftlichen Handwerker, Bastler und Tüftler der Region. In den Werkstätten des Vereins, die sich im Technologiezentrum Konstanz befinden, können die Mitglieder Projekte planen, vorbereiten und realisieren. Dank 3D-Drucker, Lasercutter und weiteren spannenden Werkzeugen kann jede Idee ausprobiert, getestet und umgesetzt werden. In dieser innovativen Umgebung entstand die Vision, alte Backwaren in köstliche Knödel zu verwandeln und so mehr Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln zu schaffen.

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IN DER HÖHLE DES LÖWENS

Neben Mikrokrediten und den ersten Einnahmen finanzierte sich das Start-up in der Anfangsphase auch über Crowdfunding auf der Plattform Startnext. Einen richtigen Erfolgsschub erlebte Knödelkult aber mit der Teilnahme an der TV-Sendung „Höhle der Löwen“. Die Gründer-Show des Senders VOX orientiert sich am britischen TV-Format „Shark Tank“ und ist inspiriert vom klassischen Elevator Pitch. Ziel dabei ist es, Investoren in kurzer Zeit von einer Geschäftsidee zu überzeugen und so Kapital für die Weiterentwicklung des Unternehmens zu sichern. Die beiden Gründer konnten den Geschäftsführer des Familienunternehmens DS Produkte Ralf Dümmel mit ihrem originellen Geschäftsmodell begeistern und ließen sich auf das Angebot des Investors ein: 15 Prozent der Firmenanteile für 250.000,- €, und sobald er dem Start-up 5000 Filialen zum Verkauf der Knödel organisiert hat, wird auf 25 Prozent der Firmenanteile aufgestockt. Für Janine Trappe und Felix Pfeffer die richtige Entscheidung: dank den Beziehungen des Löwens, der aufgrund seiner Tätigkeit als Gesellschafter nicht nur Kapital sondern auch Fachwissen mitbringt, entdeckt man die Knödelkult-Gläser jetzt auch in vielen Supermarktregalen. So hat der süddeutsche Klassiker seinen Weg bis in den hohen Norden nach Cuxhaven gefunden. Durch das sympathische Verpackungsdesign, das nachhaltige Konzept und die hohe Qualität des Produkts, eignet sich der Knödel aber auch als nettes Mitbringsel. Das haben auch Interior-Giganten wie Depot und Manufactum erkannt, denn hier sind die geretteten Backwaren ebenfalls zu finden.

 

FÜR JEDEN GESCHMACK ETWAS DABEI

Inzwischen werden die Knödel in fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten: von ganz traditionell mit Speck und Zwiebeln oder Petersilie, über eine ausgefeilte vegane Geschmacksfusion mit Karotte und Curry, bis zur süßen Variante mit Apfel und Zimt oder Mandel und Mohn. Gerade die süßen Kombinationen sind für echte Knödelliebhaber eine Delikatesse. Denn sie funktionieren in Verbindung mit Speiseeis und Schokosoße als einzigartiges Dessert. Doch damit nicht genug! Um die Vielfalt des Knödelkult-Genusses in die Welt zu tragen, findet man auf der Website des Start-ups immer neue Rezepte, die die Köstlichkeit in Szene setzen. Der deftige Knödelpanzanella-Salat macht sich prima an heißen Sommertagen und das Mohn-Rhabarbertörtchen mit Mousse und Eierlikör macht der Nachspeise am ersten Weihnachtsfeiertag ordentlich Konkurrenz. So werden die ehemalig unbeliebten Backwaren zu echten Hauptdarstellern auf dem Teller. Und genau das ist die formulierte Unternehmensmission des Konstanzer Start-ups. Aber auch für weniger kulinarisch Bewanderte lässt sich der Leckerbissen aus dem Glas ganz einfach zubereiten. Dazu werden die Knödel in sechs gleichmäßige Scheiben geschnitten und nach Belieben in der Pfanne, Mikrowelle oder auf dem Grill erhitzt.

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WAS DIE ZUKUNFT BRINGT

Auf der Website kann die Brot-Rettung verfolgt werden: Bis Dezember 2020 wurden 58.359 kg Backwaren gerettet. Das entspricht 1.160.034 Brötchen. Und es werden mehr. Nicht nur hier zu Lande hat der Beilagen-Klassiker viele Fans. Auch international lassen sich immer mehr Knödel-Begeisterte finden. Somit ist der Markt und die Nachfrage noch lange nicht gedeckt. Gerade im Hinblick auf Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ist Knödelkult ein echter Pionier – mit einem Konzept, dass schon sechs Jahrhunderte alt ist: Verwerten statt wegwerfen. So trifft Knödelkult den Zeitgeist von Fridays for Future, Greta Thunberg und der weltweiten Umweltbewegung. Der Erfolg des Konstanzer Unternehmens zeigt, dass Nachhaltigkeit und Fortschritt keine Widersprüche sind und ist Vorbild für nachfolgende Start-up-Ideen.

 

FACT BOX KNÖDELKULT

Das Unternehmen: Knödelkult Kultimativ GmbH

Ort: Blarerstraße 56, 78462 Konstanz

Gründungsjahr: 2016

Mitarbeiter: 7 Mitarbeiter*innen

Produkt: Semmelknödel, frei von künstlichen Zusatzstoffen

In Konstanz erhältlich bei: Suppengrün soup & salad Bar

Nah und Gut Gensle

EDEKA Baur M6

Handelshof NEBA GmbH

Frischemärkte Baur Konstanz KG M1

Knödelkult