RADFAHREN IST TRUMPF

Von den engen Gassen der Niederburg bis zum Hafen von Wallhausen, ob Mahlzeit oder Möbelstück, das Fahrrad ist und bleibt für Edward Kessler und sein Team die erste Wahl. Gemeinsam legen sie den Grundstein für einen nachhaltigen Lieferverkehr in Konstanz.

Von Tobias Kohler und Matthias Heinrich

 
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Gespannt mustern wir den Zonenplan, der sich über ganz Konstanz und sogar Tägerwilen und Kreuzlingen erstreckt. Der Plan ist übersichtlich gestaltet, die Zonen mit unterschiedlichen rot- und grau Tönen hinterlegt. Es handelt sich dabei nicht um den Zonenplan des Verkehrsverbund Hegau-Bodensee oder die Busfahrpläne der Stadtwerke Konstanz, sondern um den von Edward Kessler und seinem Team beim Lieferdienst fakt.

 

Ein Fahrrad ist ein einfaches Verkehrsmittel, genau deshalb ist Herr Kessler so gerne damit unterwegs. „Einen Rahmen, ´ne Kette, zwei Räder und ein Lenker, mehr braucht es nicht!“ Die Idee für einen nachhaltigen Lieferdienst kam ihm beim Radfahren, als er immer wieder privat kleine Transporte mit seinem Drahtesel erledigte. Warum also nicht das eigene Hobby zum Beruf machen? Schließlich gibt es auch in anderen Städten Lieferverkehr per Fahrrad. Stolz spricht Herr Kessler über sein junges und dynamisches Team, seine „Lieferhelden“, die täglich kräftig in die Pedale treten. 

 

Wir testen den Lieferdienst! Wir wollen uns selbst von dem Konzept überzeugen. Die Bestellung unseres Essens erfolgt unkompliziert direkt über die Website. Eine ganze Reihe von Partnerrestaurants in Konstanz sind mit ihren Gerichten übersichtlich aufgelistet. Ab einem Bestellwert von zehn Euro ist eine Bestellung möglich, bis spätestens 21 Uhr. Bezahlt wird per Kreditkarte online oder mit Bargeld direkt am Zustellort. Die angegebene Lieferzeit von bis zu 60 Minuten konnte unser Lieferant deutlich untertreffen. Bei der Übergabe bleibt noch Zeit für ein kurzes Gespräch.

 

Schon mehr als sechs Monate arbeitet der Maschinenbaustudent der HTWG Konstanz in kurzen Schichten für Edward Kessler als Radkurier. „Die Arbeit macht Spaß, ist abwechslungsreich und immer mit Bewegung verbunden. Natürlich fahre ich gerne Fahrrad, dabei spielt für mich auch der Umweltgedanke eine zentrale Rolle!“ meint unser Kurier im Interview. „Manchmal kann ein Arbeitstag schon mal stressig werden, der Umgang im Team rund um Eddie ist aber sehr kollegial. Das Team ist jung und besteht überwiegend aus Studenten.“ Der Kurier zeigt sich als bescheiden. „Das Schöne an meinem Job ist es, die Freude und Dankbarkeit in den Augen meiner Kunden zu sehen. Die Anerkennung meiner Arbeit ehrt mich natürlich, ein Held bin ich deshalb aber noch lange nicht,“ schmunzelt er.

 

Edward Kessler und sein Lieferdienst fakt zeigen, wie sich ein Hobby zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell entwickeln kann. Die Chancen für die Zukunft stehen gut, gerade derzeit herrscht durch Corona ein hoher Lieferbedarf und das Team ist ausgelastet. „Es ist aber auch schade – in eine Stadt gehört Bewegung und sie muss lebendig sein“, äußert sich Kessler. Er freut sich, wenn wieder normaler Alltag einkehrt und hofft dann auch so auf weitere Bestellungen der neu gewonnen Kunden. Edward Kesslers schneller und flexibler Lieferservice belastet die Umwelt nicht und stellt damit die Weichen für eine autofreie Innenstadt.

 

FACT BOX FAHRRADKURIER FAKT

- 2017 gegründet

- Team aus ca. 40 Mitarbeiter

- Fuhrpark umfasst:

   - fünf Lastenfahrräder

   - zwei Rennräder

   - fünf Anhänger

- Vier bis fünf Stunden Schichten für Kuriere

- Je nach Lieferaufträge 80 km Radfahren pro Schicht

fakt-kn.de