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FAIRBLÜFFEND FAIR

Fairblüffend Fair: Text

Getreu dem Motto der Caritas „Not sehen und handeln“ schenkt Fairkauf Konstanz langzeitarbeitslosen Menschen eine neue Perspektive und leistet gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für die Umwelt.


Von Jule Schmieder



Von der einmaligen Spendenkation zum deutschlandweiten Erfolgskonzept


Gegründet wurde der Fairkauf vor 25 Jahren. In der Weihnachtszeit im Jahr 1995 wurde die Konstanzer Bevölkerung dazu aufgerufen, Spenden für Bedürftige zu sammeln. Und das tat sie! Die Resonanz war so groß, dass eine Idee entstand. Wäre es nicht eine sinnvolle Sache, dauerhaft Spenden anzunehmen und diese in einem Kaufhaus zu verkaufen? Es waren turbulente Zeiten, erzählt Andreas Huber, der seit 2016 den Fairkauf leitet. Die nötigen Förderungen und Zuschüsse galt es erst einmal zu erwerben. Einem sehr engagierten Vorstand sei es zu verdanken gewesen, dass der Fairkauf schließlich öffnete. Aus einer spontanen Idee war ein gemeinnütziges Projekt geworden. Mittlerweile ist der Fairkauf Teil des deutschen Caritasverbandes und in mehreren Städten in Deutschland vertreten. Die Kernidee dieser Einrichtungen ist immer dieselbe…

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DIE IDEE

…und verfolgt gleich mehrere Ziele.

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Gut erhaltene Sachspenden werden im Kaufhaus zu fairen Preisen verkauft und ermöglichen auch Menschen mit kleinem Geldbeutel, sich mit allem Möglichen einzudecken. Doch der Fairkauf ist weit mehr als ein Second-Hand- Kaufhaus. Als Beschäftigungsbetrieb bietet Fairkauf (langzeit-)arbeitslosen Menschen die Chance, durch sinnhafte Arbeit wieder in die Gesellschaft integriert zu werden.

Wer lange Zeit arbeitslos ist, dem fehlen neben einer Beschäftigung häufig auch soziale Kontakte, Lebenssinn und das Gefühl, ein Teil der Gesellschaft zu sein. Fairkauf setzt genau hier an und bietet diesen Menschen einen Rahmen, in dem sie gesehen, gehört und gebraucht werden. Durch sinnhafte Tätigkeiten gewinnen diese Menschen neue Erfahrungen und Lebensperspektiven. Sie werden in die Gesellschaft integriert, erklärt Andreas Huber und betont den Zusammenhang, den es zwischen Arbeit und Würde gibt. Ihm ist „total wichtig, dass der Fairkauf ein Ort ist, an dem diese Menschen Würde erfahren.“ Dabei bietet der Fairkauf langzeitarbeitslosen Menschen gleich mehrere Projekte, in denen sie tätig werden können.

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Fair und vielseitig

Viele verbinden mit dem Fairkauf wohl nur das Kaufhaus in der Gartenstraße. Doch neben dem Kaufhaus betreibt Fairkauf auch die Warenbörse auf dem Wertstoffhofgelände und das Projekt „Stromspar-Check“. Dabei handelt es sich um ein Bundesprojekt, in dem einkommensschwache Haushalte zur Energieeinsparung beraten werden. In all diesen Projekten haben langzeitarbeitslose Menschen die Chance, in ihrem Tempo wieder Struktur und Tätigkeiten zu erlernen, um bestenfalls später wieder auf dem regulären Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. All diese Prozesse werden sehr eng vom Fairkauf-Team und geschultem Personal vom Sozialdienst begleitet, stets mit Empathie und Nächstenliebe.

„Letztendlich ist es immer das Gleiche, dass wir versuchen, die Menschen erst mal ankommen zu lassen und ganz kleine Schritte zu gehen im Arbeitsumfeld.“

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„Die Menschen, um die geht’s.“

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Abwechslungsreicher Alltag im Wandel


Langweilig wird es beim Fairkauf nie. „So vielfältig wie meinen Arbeitsplatz kann ich mir einen anderen fast nicht vorstellen“ zeigt sich Andreas Huber begeistert, der neben dem Fairkauf in Konstanz auch zwei Projekte in Radolfzell betreut. Dabei steht neben der obligatorischen Büroarbeit die Begegnung mit den Menschen im Vordergrund. „Man schaut, wie kann man den Menschen begegnen? Was brauchen sie gerade? Wie geht es ihnen?“ Jeder einzelne Mensch, mit seinen Bedürfnissen und Geschichten, wird wahr- und ernst genommen. Genau dies macht die Arbeit spannend und erfordert viel

Flexibilität. Spannung brachte auch die Corona-Pandemie mit sich. Beim ersten Lockdown musste das Kaufhaus schließen. Doch statt in resigniertes Nichtstun zu verfallen, stürzte sich das Fairkauf-Team mit Tatendrang und Zuversicht in ein alternatives

Projekt. Umbaumaßnahmen und die komplette Neugestaltung des Verkaufsraumes wurden in Angriff genommen. Das Ergebnis: ein freundlicher, farbig gestalteter Verkaufsbereich, ein Showroom für restaurierte Möbel und ein zu Kaffee, Kuchen und einem netten Gespräch einladender Bücher- und Bistrobereich. „Es war das Beste, was man in dieser Zeit machen konnte.“ Insgesamt ein sehr passendes Beispiel, wie im Fairkauf immer wieder auch schwierige Situationen als Herausforderung angenommen werden und etwas Gutes daraus entstehen kann.

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„Bei uns sind im Prinzip alles Unikate.“

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Ein Paradies im Paradies

Etwas versteckt liegt das Second-Hand-Kaufhaus in der Gartenstraße im Konstanzer Stadtteil Paradies. Auf 250 Quadratmetern verkauft der Fairkauf gut erhaltene Sachspenden zu günstigen Preisen. Möbel, Kleidung, Schuhe, Bücher, Spielwaren,


Geschirr, Schallplatten,… — das vielfältige Sortiment reicht von Nützlichem über Sammlerstücke bis hin zu wertvollen Raritäten. Menschen mit Sozialpass erhalten Rabatte, doch das Kaufhaus richtet sich ganz bewusst an alle, so Andreas Huber.

„Die Kernidee ist, dass sich die Kundschaft mischt, dass hier jeder einkaufen kann, aber eben auch die, die wenig Geld haben.“ Das Besondere: Oft sieht das Kaufhaus nach einem Tag schon wieder ganz anders aus. Diese Abwechslung schätze die Stammkundschaft.

Besonders ist auch die Atmosphäre im Kaufhaus. Schon beim Betreten des Raumes spürt man eine angenehme Ruhe. Die Hektik des Alltags scheint vor der Tür zu bleiben. Beim Stöbern entschleunigt man ganz von selbst und kann hier und da doch ein Gespräch, ein Lachen oder einen freundlichen Blick wahrnehmen. Wie jeder einzelne der Beschäftigten tragen auch all die Gegenstände ihre Geschichte in sich. Diese Besonderheit ist hier deutlich zu spüren.

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Fair zur Umwelt


Mal wieder ein neues paar Schuhe, eine neue Kommode, weil die alte nicht zur Wandfarbe passt, einen Rucksack, weil der alte nicht mehr gefällt—der Konsum unserer Gesellschaft kennt keine Grenzen und geht leider häufig mit einer Wegwerfmentalität

einher. Oft landen noch gut erhaltene Dinge im Müll. Der Fairkauf wirkt dieser erfolgreich entgegen und sorgt dafür, dass diese Dinge im Warenkreislauf erhalten werden, was langfristig die Ressourcen schont. Ganz nach dem Motto: Weiter verwenden statt wegwerfen. Deshalb werden selbst Waren, die eine kleine Macke haben, von langzeitarbeitslosen Menschen neu aufbereitet und im Showroom ausgestellt. Auch das Projekt „Stromspar-Check“ zielt auf einen verantwortungsvollen Umgang im Bereich Energieverbrauch ab und zeigt, dass Nachhaltigkeit beim Fairkauf nicht nur ein Wort ist, sondern aktiv umgesetzt wird.

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Wie fair-bleiben wir


Aktiv und flexibel bleibt das Fairkauf-Team auch in Zukunft. Schon bald sollen die Waren aus dem Kaufhaus in der Gartenstraße auf einer Plattform im Internet präsentiert und Kunden so Online-Stöbern ermöglicht werden. „Ein virtuelles Kaufhaus“ sei in Planung. Damit trifft Fairkauf genau den Zeitgeist. In jeglicher Hinsicht wird Fairkauf seinem Namen gerecht und zeigt, dass eine einzige Einrichtung auf so vielen Ebenen Gutes tun kann.

Gründe genug, Fairkauf einen Besuch abzustatten.

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FAKTEN BOX

Das Unternehmen:        Fairkauf Konstanz (zugehörig zum Caritasverband                                                  Konstanz e.V.)
Ort:                                    Fairkauf Konstanz, Gartenstraße 48, 78462 Konstanz
Gründungsjahr:              1995
Mitarbeiter:                     30 Mitarbeiter*innen im Second-Hand-Kaufhaus

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