PIONIERGEIST

IN DER WELT DES SPEZIALITÄTENKAFFEES

 
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Auf der Mission, die Kaffeebranche nachhaltiger zu gestalten

 

Seit 2002 hat die Kaffeerösterei Konstanz genau diesen Pioniergeist bewiesen und setzt ihn vorbildlich um. Das Thema Nachhaltigkeit spielt nicht nur im geschäftlichen, sondern auch im privaten Leben der Mitarbeiter und Geschäftsführer eine große Rolle. In all ihren verschieden Kaffeespezialitäten spiegelt sich ihre Liebe für die Nachhaltigkeit und der Ressourcenschonung wider und lässt eine einmalige Atmosphäre entstehen.


Von Pia Bergmann

 

DER EINSTIEG IN DIE SPEZIALITÄTENKAFFEEBRANCHE

2002 hat sich der Gründer und Geschäftsführer Rolf Bernhardt dazu entschlossen, seinen alten Beruf als Unternehmensberater an den Nagel zu hängen und endlich angefangen, seiner wahren Leidenschaft nachzugehen – dem Kaffee. Mit seinem Know-how als Unternehmensberater wusste er, dass die Kaffeebranche immer mehr an Beliebtheit gewinnen würde und die Nachfrage steigen wird. Das sollte sich auch bewahrheiten, denn 18 Jahre später ist die Kaffeerösterei Konstanz erfolgreicher denn je.


Beim Interview in der hauseigenen Rösterei gewährt Rolf Bernhardt, einmalige Einblicke hinter die Kulissen und liefert spannende Informationen über die Herkunft und das Röstverfahren verschiedenster Spezialitätenkaffees. Die Kaffeerösterei ist eine offene und vor allem transparente Firma – so gehört es auch zur Unternehmensphilosophie, Fragen offen zu beantworten und die eigene Geschichte zu erzählen – beispielsweise die von den Reisen zu ihren Kaffeebauern.

Von Anfang an war es ein großes Anliegen Rolf Bernhardts, das Thema Nachhaltigkeit in der Firma zu verankern. So verkauft die Firma seit 2007 Bio- und Fairtrade-Kaffee. Das war zu Beginn gar nicht so leicht. Denn nachhaltiger Kaffeegenuss bedeutet auch einen höheren Preis. Dieses Verständnis und das Gefühl für die Umwelt musste erst nach und nach bei den Kunden geweckt werden. Heute ist es genau das, was die Firma ausmacht – und was sie so besonders macht.

 
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Rolf Bernhardt, Geschäftsführer und Gründer der Kaffeerösterei Konstant

„Kaffee ist systemrelevant.“

 

Was macht sie eigentlich so besonders?


Die Kaffeerösterei Konstanz verkauft monatlich jede Menge Kaffee – sogar in Zeiten der Pandemie. Dies geschieht zum einen über das Ladenlokal, zum anderen über verschiedene Lebensmittelgeschäfte, Händler, Büros, sowie über einen eigenen Onlineshop.


Die Frage, die man sich als Außenstehende stellt, ist, wie sich die Kaffeerösterei als Spezialitätenkaffeehaus gegenüber großen Kaffeeröstereien behaupten kann. Zum Beispiel gegenüber Aldi, dem größten Kaffeeröster in Deutschland, der einen Großteil des hiesigen Kaffeemarktes beherrscht? Die Antwort war ganz klar. Es gibt zwischen Großkonzern und Spezialitätenkaffeehaus gar keinen Vergleich. Die Kaffeerösterei sticht mit herausragender Qualität und ihrer Exklusivität eindeutig hervor.


Die höheren Kosten für ein exklusives Kaffeeerlebnis, nimmt die Zielgruppe, das bildungstragende Bürgertum, gerne in Kauf. Die Zielgruppen sind aber auch all diejenigen, die sich bewusst mit Genuss, Ernährung und der Umwelt auseinandersetzen. Hier fällt auf, dass es immer mehr junge Leute sind, die auf Regionalität und Nachhaltigkeit achten.

 

Woher kommt der Kaffee?

Das Unternehmen schafft es im Einklang mit der Natur, ressourcenschonend und nachhaltig seine Kunden für sich zu gewinnen. Doch woher kommt er nun eigentlich, dieser besondere Kaffee? Im Grunde kommt er aus der ganzen Welt – aus dem Tal der Hundertjährigen in Ecuador ebenso wie von den Galapagosinseln oder auch aus Äthiopien, der Wiege des Kaffees. Angebaut wird Kaffee entlang des sogenannten Kaffeegürtels, der zwischen dem 23. und 25. Breitengrad liegt. Hier wird er gepflanzt, handgepflückt und verschifft.

Die Kaffeerösterei pflegt ein sehr gutes Verhältnis zu den in diesen Ländern ansässigen Kaffeebauern. Die Devise Rolf Bernhardts ist: „Hilfe zur Selbsthilfe.“ Es hilft nicht, Kaffeebauern einfach mehr Geld zu zahlen. Es geht darum, ihnen einen Start zu ermöglichen, um selbst erfolgreich zu werden, gute Ware zu liefern und das bestehende Verhältnis zu stärken und zu festigen.


So ist es den Betreibern der Kaffeerösterei ein großes Anliegen, im Einklang mit der Natur das Land zu bewirtschaften und dabei ressourcenschonend vorzugehen.

Da die Kaffeerösterei selbst allenfalls kleine Mengen abnehmen könnte, hat sie sich mit gleichgesinnten Spezialitätenkaffeeanbietern zusammengetan. Die gemeinsame Großbestellung wird dann in Jutesäcken, welche ca. 50-70kg fassen, nach Hamburg verschifft und dort im eigenen Kaffeelager zwischengelagert. Einmal im Monat ruft die Kaffeerösterei ihre Kaffeelieferung ab und die begehrten Bohnen machen sich auf dem Weg nach Konstanz. Das Röstverfahren ist besonders schonend – das dient der besseren Verträglichkeit. Nach dem Rösten wird der Kaffee verpackt und an die jeweiligen Verkaufsstationen geliefert. 

 
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Fair gehandelter Kaffee aus aller Welt

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in Jutesäcken

 

Kann Kaffee eigentlich nachhaltig sein?


Die Antwort ist ja. Mit einem gewissen Pioniergeist, jeder Menge Mut und einem Willen, der auch Rolf Bernhardt und seinen Mitarbeitern eigen ist, lässt sich die Kaffeebranche durchaus nachhaltiger gestalten.

Das Unternehmen ist stets offen für nachhaltige Neuerungen und entwickelt dabei nicht selten eigene Ideen und Produkte, die es so bislang noch nicht auf dem Markt gibt. Zum Beispiel eine außergewöhnliche Kaffeeverpackung. Während herkömmliche Verpackungen Aluminium enthalten, um die Frische des Kaffees zu bewahren, hat die Kaffeerösterei viel Zeit und Geld in die Entwicklung ihrer eigenen Verpackung investiert. Diese ist, nach Rolf Bernhardt, zwar nicht Bio und nicht kompostierbar. Dennoch ist es ein erster Schritt in die richtige Richtung, da sie kein Aluminium mehr enthält.


Ein weiteres Beispiel: Mit dem Onlinehandel kommt es zwangsläufig zu mehr Verpackungsmüll. Doch auch hier hat die Kaffeerösterei zumindest eine Verbesserung erzielt. Das im Konstanzer Industriegebiet befindliche Unternehmen nutzt Kartons, Plastikfolien und Luftpolster der zahlreichen Nachbarfirmen, die diese nicht mehr benötigen. Diese Zweitverwertung trägt zwar nicht zur gänzlichen Vermeidung des Verpackungsmülls bei, doch sie reduziert das Aufkommen durchaus.


Die Kunden erhalten mit ihrer Bestellung immer ein Kärtchen, auf dem auf diese Zweitverwertung hingewiesen wird. Ein zweites Leben für die Verpackung – das kommt bei den meisten Kunden gut an. Für den Versand an die Konstanzer Kunden kommen Fahrradkurierdienste zum Einsatz. Demnächst ist auch die Auslieferung mittels eines Elektrowagens geplant, um mobiler zu werden, ohne an Nachhaltigkeit einzubüßen.

 
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Alles wird verwertet – Nachhaltigkeit in jeder Hinsicht 

Gehen wir noch mal zurück von der Verpackung hin zum Röstverfahren. Bei dem besonders schonenden Röstverfahren, das rund 15-18 Minuten lang dauert, fällt von den Kaffeebohnen eine dünne Haut ab. Normalerweise wird diese nach der Röstung entsorgt und findet keine weitere Verwendung mehr. Einem Mitarbeiter jedoch war es ein Dorn im Auge, diese Häutchen einfach wegzuschmeißen. Einen Abnehmer für diesen vermeintlichen Abfall hat er in der nahegelegenen Schrebergartenkolonie gefunden. Hier werden Kaffeebohnenhäutchen nun als Bodenauflockerer und Dünger genutzt.


Demnächst ist die Anschaffung einer Maschine geplant, um Pellets aus den Überbleibseln zu pressen und diese dann auf den Markt zu bringen. Auch die derzeitige Röstmaschine, welche noch mit Gas und Strom betrieben wird, soll dann einem neuen umweltfreundlicheren Modell mit Katalysator weichen, um die Umweltbilanz weiter zu verbessern.


Bei allen Anstrengungen und Initiativen bleibt es doch immer eine Gratwanderung zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Doch für die Umwelt nimmt Rolf Bernhardt gerne diese entstehenden Mehrkosten auf sich. Für die Zukunft würde er sich wünschen, dass die Menschen sich mehr mit ihrer Ernährung auseinandersetzen und sich informieren, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie diese produziert werden. Man sollte, so meint er, darauf achten, dass man mit seinem Konsumverhalten nicht die Umwelt zerstört und ihr genügend Zeit zur Regeneration gibt.

 
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Kann man eigentlich noch Kaffee sehen, wenn man tagtäglich damit zu tun hat?

 

Für Rolf Bernhardt ist die Antwort klar. Er kommt jeden Tag auf rund 1,5 Liter Kaffee. Damit ist auch diese Frage beantwortet.


Und die Kaffeerösterei? Sie präsentiert sich als ein sehr vorbildliches Unternehmen, das genau den Nerv der Zeit trifft. Das Unternehmen beweist seit 18 Jahren, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit auf lange Sicht gesehen durchaus harmonieren kann. Wenn man es wirklich will. Mit ihrer inspirierenden Art gelingt es den Mitarbeitenden, dass sich die Kunden immer mehr mit der Herkunft des Kaffees und den Arbeitsumständen der Kaffeebauern auseinandersetzen. Und wenn man weiß, woher er kommt und wie er gehandelt wurde, schmeckt er auch besser – der Kaffee der Kaffeerösterei Konstanz. 

 

FAKTEN BOX

Geschäftsführer: Rolf Bernhardt, Christine Poprawa, Patricia Nabitz

Stand: Dezember 2020

FACHGESCHÄFT

Kaffeerösterei Konstanz
St. Stephansplatz 5–7
78462 Konstanz

RÖSTEREI

Kaffeerösterei Konstanz
Byk-Gulden-Str.2
78467 Konstanz

GRÜNDUNGSJAHR

2002

MITARBEITER

20