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VON DER DENKWERKSTATT ZUR ENERGIEWENDE

Wie das Bürgerunternehmen solarcomplex die Region nachhaltig bewegt

Von Melissa Wick


Vor langer Zeit, lange bevor auch nur ein Mensch Fuß auf den blauen Planeten setzte, wand sich ein kleines Pflänzchen aus der Erde und streckte seine winzigen Blättchen der Sonne entgegen. Gestärkt von den Strahlen des weit entfernten Sterns, gab es ihr Wissen um das energiereiche Sonnenlicht weiter und bevölkerte von nun an, mit all seinen Geschwistern, die Welt. Jener, von Artenreichtum und Vielfalt geprägter Planet, der uns heute als Erde bekannt ist.

Millionen Jahre später, nach dem der Mensch auf den Plan trat, das Feuer unter seine Kontrolle brachte, sowie ein paar neu entdeckte Energieformen später, wurde das in Vergessenheit geratene Wissen des kleinen Pflänzchens wiederentdeckt.

In der Stadt Singen trafen sich zu jener Zeit die Denker aus der ganzen Region, die über wichtige Fragen der Zeit diskutierten. Bald wurde ihnen klar, dass sie ihre Ideen, dem Klimawandel durch umweltfreundliche regenerative Energie, entgegenzuwirken, auch umsetzen möchten und konnten. So kam es, dass sich 20 Mitglieder dieser „Denkfabrik“ zusammenschlossen um das regenerative Stadtwerk solarcomplex zu gründen.

 

Heute sind sie dafür bekannt die Energiewende in der Bodenseeregion voranzubringen. Dabei planen, bauen und betreiben sie regenerative Anlagen zur Wärme und Stromerzeugung. Seit der Gründung 2000 hat sich einiges getan. Während sie in ihren Anfängen, nach Angaben des Vorstands Bene Müller, noch sehr „naiv“ waren, sind sie nicht nur als Unternehmen und mit ihrer Reichweite gewachsen, sondern haben auch gelernt, was es bedeutet ein Unternehmen zu führen.


Besonders der erfolgreiche Projektabschluss des Windparks Verenafohren ist dem Unternehmer als glückliche Erinnerung im Gedächtnis geblieben. Die Anlage in Wiechs am Randen ist seit 2017 in Betrieb und bisher der erste und auch einzige Windpark im Landkreis Konstanz. Besonders schön sei dabei der Zuspruch der Menschen vor Ort gewesen. Durch den Bürgermeister, den Gemeinderat und auch die Bürger von Wiechs hätten sie eine positive Begleitung des Projekts erfahren dürfen.

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Die große Mehrheit der Bevölkerung unterstützt den Ausbau regenerativer Energien. Der Trend zum Klimaschutz gehe zwar langsam, aber er gehe in die richtige Richtung. solarcomplex arbeitet dabei auf der Ebene der Umsetzung. In den vergangenen Jahren konnten sie beobachten, wie die Preise für erneuerbare Energien fielen. Dies bietet eine „wunderbare Ausgangslage“ für die Umsetzung größerer Projekte. Rückblickend fällt auf, wie sehr sich die installierte Leistung über die Jahre schon gesteigert hat. Während ihre erste Photovoltaikanlage, die auf dem Friedrich-Wöhler-Gymnasium in Singen gebaut wurde, nur 18kW betrug, werden von ihnen heute viele gewerbliche Anlagen mit mehreren 100kW Leistung realisiert.

 

Immer wieder schafft es das regenerative Stadtwerk andere Unternehmer mit ihren Konzepten und dem Streben nach einer umweltfreundlichen Energieversorgung anzustecken. Besonders beliebt ist dabei die sogenannte PV-Infotour. Dabei informiert solarcomplex Sparkassen und Volksbanken an Vortragsabenden über ihre bisherigen Projekte. Aus diesen Veranstaltungen resultierten schon etliche erfolgreiche Projekte.  


Besonders viel liegt solarcomplex auch daran die Bevölkerung über erneuerbare Energien zu informieren und  diese über die Entwicklungen, die sich in den letzten Jahren ereignet haben, aufzuklären. Beispielsweise hält sich in vielen Köpfen hartnäckig der Gedanke Strom aus Photovoltaik sei teuer, obwohl sich dieses Anfangsbild der Technologie mittlerweile umgekehrt hat. Tatsächlich stellen mittlerweile sowohl Photovoltaik als auch Windkraft sehr kostengünstig erneuerbaren Strom zur Verfügung.


Durch ihre ausgezeichnete Arbeit wurden sie schon mit zahlreichen Preisen belohnt. Im Jahre 2014 konnten sie sich beispielsweise über den Georg-Salvamoser-Preis freuen, der ihnen für das erste Bioenergiedorf Deutschlands, das mit einer großen Solarkollektoranlage ausgestattet ist, verliehen wurde. Aber auch für die Energiebilanz auf dem eigenen Gelände wurden sie 2019 ausgezeichnet.

 

Besonders interessant sind auch einige Zukunftsfragen.

Wie wird sich der Energieverbrauch und das Energiesystem verändern?

Welche regenerative Energiequelle verspricht in der Bodenseeregion am meisten?

Und wie kann der gesamte Landkreis mit erneuerbaren Energien versorgt werden?


Die größten Potenziale der Region bergen sowohl die Sonnen- als auch die Windenergie, dessen ist sich Bene Müller sicher. Besonders auf die solare Energie müsse dabei gesetzt werden, da die Standorte für Windkraftanlagen am Bodensee und im Hegau begrenzt sind. Wichtig ist allerdings immer ein guter Mix aus verschiedenen regenerativen Energien, da sich diese dann ausgleichen.


Einer Abschätzung solarcomplex´s zu Folge würden nur 3% der versiegelten Fläche, sowie 1% der Landwirtschaftlich genutzten Fläche, des Landkreises benötigt werden, um den gesamten Stromverbrauch des Landkreis Konstanz, mit solarer Energie zu decken. Dies sei besonders schön, da die Solarenergie mittlerweile nicht nur die günstigste erneuerbare Energieform ist, sondern auch in großen Mengen für den Rest unserer Tage vorhanden ist. Dies stellt sicherlich nicht nur für Umweltfreunde eine „unschlagbare Kombination“ dar.

 
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Bei diesen Worten lacht das kleine Pflänzchen leise auf. Seit langem beobachtet es das Treiben der Menschen aus der Ferne. Es sieht sich um und deutet auf seine Umgebung. Es selbst und auch alle seine Kompanien, die mit ihm den Planeten bevölkern, leben schließlich von der Sonnenenergie. Sie haben schon lange verstanden, dass sich die Strahlen der Sonne wunderbar zur Energiebereitstellung eignen.


Hoffnungsvoll schaut das kleine Pflänzchen in die Zukunft und beobachtet das Geschehen. Es träumt von einer Zukunft ohne Umweltverschmutzung, in der es friedlich leben kann. Unternehmen wie solarcomplex, die nach der Energiewende streben und für eine ausschließlich regenerative Energieerzeugung kämpfen, bringen dieses Zukunftsbild Schritt für Schritt näher. Auch wenn es bis dahin noch ein langer Weg sein wird, das kleine Pflänzchen ist sich der Machbarkeit der Aufgabe sicher.