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Das Silo Konstanz bietet seine Waren unverpackt.

Silo Konstanz ist ein Unverpackt-Laden und Zero-Waste-Café. Seit nun etwas mehr als einem Jahr bietet das Silo-Team an der Oberen Laube die Möglichkeit, bewusster einzukaufen. Durch nachhaltige Produkte und vor allem – ohne Verpackung.


Von Leon Reeb

 

Plastik und Pappe, gelbe Säcke, bunte Tonnen – Müll umgibt uns. Wir produzieren ihn, gehen einkaufen, werfen weg.

Umweltbewusst? Ja, nein, vielleicht?

Ob wir Müll ganz vermeiden können, sei dahingestellt. Reduzieren können wir ihn auf alle Fälle. Da sind sich Julia, Julie, Bernhard, Mitglieder bzw. Mitbegründer*innen der solidarischen Landwirtschaft Konstanz und Susan, Gründerin des plastikfreien Onlineshops „Monomeer“, einig. Sie alle engagieren sich in ihrer Freizeit und darüber hinaus bereits für mehr Nachhaltigkeit. Über die „Szene“ bekannt und befreundet, reift in ihnen die gemeinsame Idee, noch einen Schritt weiter zu gehen, den Wandel selbst in die Hand zu nehmen, selbst etwas im Bereich Konsum zu verbessern. Sie möchten gemeinsam nachhaltiges Einkaufen in Konstanz ermöglichen und dafür einen Laden und ein Café eröffnen. Julie, die bereits Erfahrung in einem Unverpackt-Laden gesammelt hat, bringt die Idee voran. Sie verabreden sich, sind motiviert und schon nach wenigen Treffen steht der Entschluss fest. Das Silo soll realisiert werden.

 

Die Entstehung

Mitte 2018 beginnt schließlich die Planung. Die vier Freunde stehen nun, wie sich Bernhard erinnert, vor drei nennenswerten Herausforderungen. Natürlich geht es unter anderem um die Räumlichkeiten. Nach mehreren Monaten Suche haben sie dann doch Glück. Julie lernt die Vorpächter des Ladens auf einem Markt kennen. Die einen suchen den Raum, die anderen wollen ihn loswerden. An der Oberen Laube öffnet das Silo Konstanz schließlich seine Türen. Durch ihre gemeinsamen Vorstellungen ist ihnen schnell klar, wie alles aufgebaut werden soll. Der Nachhaltigkeitsgedanke zieht sich auch durch die Inneneinrichtung. Mit dem Ziel, möglichst wenig Neues anzuschaffen, werden die Möbel der Vormieter übernommen. Upcycling ist natürlich auch ein Thema. Die Logistik und das Sortiment lassen sich dank Julies Know-how, viel Recherche und gute Kontakte letztlich relativ reibungslos organisieren. Finanziert wird das Projekt – abgesehen von Eigen- und Fremdkapital – auch durch eine Crowdfunding-Aktion. Ein fröhliches Video stellt die vier, ihre Überzeugungen und ihr Vorhaben vor, sodass sie Ihren Plan schließlich realisieren können – auch dank der Hilfe der Spender*innen. Durch die tatkräftige Mithilfe vieler Freunde ist der Umbau zuletzt schnell erledigt.

 

Am 19. Mai 2019 öffnet das Silo.

„Es war eine Punktlandung [...]
Der Eröffnungstag lief überragend.“

– Bernhard Clasen

Unverpackt-Laden-Cafe-Silo-Konstanz-Plas
 

Es ist stressig bis zur letzten Minute. Das Kassensystem kann gerade noch rechtzeitig aufgesetzt werden, bevor es um 11 Uhr schließlich losgeht. „Vor der Eröffnung ist man natürlich auch etwas skeptisch“ erzählt Bernhard. Doch die Resonanz übertrifft dann doch alle Erwartungen. Das Interesse ist groß, es ist viel los im Silo, dem neuen Unverpackt-Laden an der Oberen Laube in Konstanz. Und das Feedback?        Durchweg positiv.
Daran hat sich bis heute wenig geändert: Gefäß mitbringen, wiegen, abfüllen, bezahlen. Es ist nicht schwer, unverpackt einzukaufen.

Der hohe ökologische Anspruch, das Vermeiden von Müll, die regionalen Produkte, der Verzicht auf Plastik – all das, wofür das Silo eintritt, trifft den Zeitgeist und findet seine Kundschaft. Das Unverpackt-Konzept sensibilisiert. Einkaufen dauert im Silo etwas länger. Diese alltägliche Beschäftigung, die sich direkt auf den eigenen ökologischen Fußabdruck auswirkt, soll hier keine Massenabfertigung sein. Kund*innen haben die Möglichkeit, sich Zeit zu nehmen und bewusst einzukaufen. Dieser Gedanke an Qualität und Bewusstsein schlägt sich zwar im Preis nieder, allerdings weniger stark, als es die Vorurteile vermuten lassen. Nur etwa acht Prozent ist ein durchschnittlicher Einkauf im Silo Unverpackt-Laden wirklich teurer. Was dafür geboten wird, kann sich sehen lassen. Denn trotz der hohen Standards, gibt es eine große Auswahl. Von Brot, über Milchprodukte, bis hin zu Haushaltswaren und vieles mehr. Das Sortiment ist reichhaltig. Nicht zu vergessen: Immer dienstags gibt es einen Studentenrabatt von zehn Prozent!

Ganz wichtig ist der Bezug zur Kundschaft. Lieferung und Bestellung sind möglich. Wer es eilig hat oder besondere Wünsche verfolgt, kann seinen Einkauf auch einfach per Mail vorbestellen.

 
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Vom Café bis hin zu Corona

 

Das Silo ist nicht nur ein Unverpackt-Laden. Das aus mittlerweile elf Mitarbeitenden bestehende Team betreibt auch ein Zero-Waste-Café. Hier gibt es selbstgemachte Kuchen – mitunter auch vegan und glutenfrei –, ein leckeres Frühstück und natürlich Kaffee. Die gemütlich gestalteten Räumlichkeiten laden zum Verweilen ein. Leider jedoch nicht immer. Beim ersten Lockdown musste das Café schließen. Nun kommt der zweite. Immerhin 30 Prozent der Einnahmen stammen aus der Gastronomie. Finanziell ist dies eine Belastung mit der erst einmal umgegangen werden muss. Durch den Einzelhandel, den das Silo aufrechterhalten darf, geht es ihnen noch entsprechend gut, doch wächst die Sehnsucht, das Café endlich wieder zu öffnen – und damit wieder mehr finanzielle Stabilität zu erlangen. Wieder Kuchen zu backen und das Frühstück zu servieren. Ganz so, wie es sich Julie, Julia, Susan und Bernhard zu Beginn vorgestellt haben.

 

Der Alltag


Doch auch ohne das Café gibt es viel zu tun. Um den Laden am Laufen zu halten, helfen Halbtagsangestellte und Minijobber*innen. Die Arbeitsatmosphäre ist entspannt. Zwischen all der Arbeit wird versucht, durch Offenheit und Austausch für Ausgleich zu sorgen.  

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Bernhard beschreibt den Tagesablauf mittlerweile als routiniert. Es geht um die Logistik und den Wareneinkauf, das Versorgen der Lieferungen und das „in Schuss halten“ der Räumlichkeiten – es ist ein Grundgerüst für den Alltag, das durch die Begegnungen mit Menschen dennoch nie monoton wird.
Das Silo in Konstanz ist ein sehr persönlicher Ort der Nachhaltigkeit. Er ist eine echte Alternative zu Läden mit den herkömmlichen Verpackungen. So ist er mehr als nur ein Ort des alltäglichen Einkaufs und des gemütlichen Kaffeetrinkens. Er ist ein Gegenentwurf mit dem Ziel, die Umwelt zu entlasten, den Klimawandel zu bekämpfen und ein Umdenken einzuleiten. Es ist eine Idee, die in Konstanz große Akzeptanz findet. Es ist eine Geschichte des Gelingens.

 

Das Unternehmen:          Silo. Unverpackt Laden & Café

Ort:                                     Obere Laube 65, 78462 Konstanz

Gründungsjahr:                2019
Mitarbeiter:                       (Dez. 2020) zehn bis elf